Systemische Beratung

Hier können Sie nachlesen, warum wir Elemente der systemischen Beratung in der Deradikalisierungs-, Distanzierungs- und Ausstiegsarbeit bei islamistischer Radikalisierung nutzen, um Angehörige, Betroffene und Fachkräfte zu beraten.

Systemische Beratung – Was ist das?

Systemische Beratung erklärt das Verhalten von Menschen, indem sie die inneren Charakteristiken reflektierend in Bezug zu den Beziehungen der Systemumwelt (bspw. der Familie) setzt. Systemische Beratung zielt auf die Erweiterung der Wahrnehmungsmöglichkeiten von Klient*innen ab, um dadurch ihre Handlungsmöglichkeiten erweitern zu können. Systemische Beratung achtet auf die Ressourcen und die Autonomie Ratsuchender und legt großen Wert auf einen respektvollen und wertschätzenden Dialog.

Die Grundlagen der systemischen Beratung beruhen auf der Systemtheorie, der systemischen Familientherapie und der Beratungswissenschaft. Zudem bedient sie sich des Empowerments als einem Konzept der Sozialen Arbeit, das die Stärkung von Selbstermächtigung und Selbstbefähigung als Ziel hat und dafür vorhandene individuelle Ressourcen betrachtet und weiter entwickelt. Systemische Beratung reflektiert zunächst die in die Beratung mitgebrachten Probleme, um anschließend u.a. durch die Aktivierung von Ressourcen und Netzwerken, eine Verbesserung der Lebenssituation zu erreichen.

Systemische Beratung bei Grenzgänger

Das Beratungsnetzwerk Grenzgänger arbeitet nach einem systemischen Ansatz. Wir arbeiten vornehmlich mit dem sozialen Umfeld von Menschen, die sich radikalisieren (den sog. „Sekundärbetroffenen“). Hier liegt die Annahme zugrunde, dass über soziale Beziehungen die Deradikalisierungsarbeit den größten Erfolg verspricht.

Je nach Einzelfall kombinieren wir die Unterstützung des sozialen Umfelds mit der direkten Beratung von sich radikalisierenden Personen (den sog. „Primärbetroffenen“). Die Entscheidung, ob wir direkt mit Primärbetroffenen sprechen, wird gemeinsam mit den eigentlichen Beratungsnehmern getroffen.

Unsere Beratungsnehmer stammen entweder aus dem sozialen oder dem professionellen Umfeld der sich radikalisierenden Person. Zum sozialen Umfeld gehören u.a. Eltern, Geschwister, Ehepartner*innen, Freunde, Arbeitskolleg*innen. Zum professionellen Umfeld gehören u.a. folgende Berufsgruppen: Lehrer*innen, Sozialarbeiter*innen, Mitarbeiter*innen im Jugendamt, im Gefängnis, aber auch Ehrenamtliche.